Dienstag, 5. August 2014

BKA-Wirrwar entknoten: Zur Ceska W 04

Wie sieht eine Ceska 83 mit Schalldämpferaufsatz aus, und was sind hier der Lauf, der Verschluss und das Griffstück?
 
"Lauf" und Verschlussstück" aka BKA-Variante
 
Was ist was und wo finden wir individuelle Kennzeichnungen der Waffe ab Werk, so genannte Seriennummern?
 
Wikipedia, Beschriftung Fatalist
Zunächst zur Funktion der abgebildeten Teile: Der Schlitten bewegt sich beim Schuss nach hinten, öffnet das Fenster und die Hülse fliegt raus. Die Feder holt den Schlitten (= Verschlussstück) zurück nach vorn, eine neue Patrone wird aus dem Magazin nachgeführt.
 
Ich habe die Waffennummer 034678 da rein geschrieben, sie steht damit auf der falschen Seite, da die Nummer standardmäßig auf der Rückseite der oben abgebildeten Waffe angebracht ist.
ABER an der richtigen Stelle. Es ist eine von zwei Seriennummern; die des Griffstückes (oder des Laufs, wie das BKA schreibt, siehe Beschriftung der Abbildung unten).
 
 
Das ist wie gesagt nicht der Lauf, der steckt an dem Teil dran, wo die 034678 verzeichnet ist (Bild oben).
Der Lauf ist das längliche zylinderförmige Objekt, das am Griffstück angebracht ist.
 
 
Im Bild OBEN der Schlitten, auch Verschlussstück genannt (Nr. 1),
darunter die Feder,
darunter der Lauf (rund, Nr. 27), der im Griffstück (Nr. 28 ) steckt.
Am Griffstück ist die zweite Seriennummer eingraviert, also die 034678 oder 034673.
 
 
(Man kann auch Einzelteile kaufen, in der Tabelle unten stehen die Bezeichnungen zu den Teilenummern drin).
 
 
 
Was sieht man, im Fenster des Schlittens, wenn die Waffe im Normalzustand vor Einem liegt?
Den Lauf mit der Nummer 034673?
 
 
 
Nein, man sieht das Griffstück im Fenster, und auf dem Schlitten (rechts) ist die Waffennummer nochmal eingraviert. Maschinelle Seriengravur fortlaufender Nummern.
 
Sie können das Fenster sogar auf dem Bild ganz oben sehen, wenn Sie es in Originalgrösse anschauen. Zwar nur ganz wenig, aber es funktioniert: Man sieht die Leinwandstruktur der Unterlage.
Die zweite gravierte Waffennummer 034678 befindet sich dann also auf dem Schlitten.
Den nennt das BKA Verschlussstück.
 
 
Das Fenster ist ganz links oben zu sehen (Rundung im Eck), und rechts daneben die Seriennummer auf dem Verschlussstück.
Auf dem Schlitten, wie man in der Schweiz sagt... Verschlussstück in BKA-Waffendeutsch.
 
 
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Zu den Beschusszeichen:
 
Mancher scheint zu glauben, dass jede Waffe beschossen wird, und dass die Beschusszeichen und das Jahr immer an derselben Stelle sitzen müssen.
 
Dem ist nicht so.
 
Jede 100. Waffe oder jede 500. Waffe wird beschossen, mit "überstarker Munition", und wenn das Testexemplar nicht auseinanderfliegt, dann hat DIE SERIE den Test bestanden und bekommt die Zeichen händisch eingeschlagen. NICHT graviert wie die Seriennummer, sondern eingeschlagen.
 
http://pics.ricardostatic.ch/2_732938998_Big/sonstiges/schlagzahlen-schlagbuchstaben.jpg
Man nimmt einen Hammer, einen Satz Schlagzeichenstempel, und die Serie bekommt das Beschusszeichen und das Jahr eingeschlagen. Im Fall der Schweizer Ceskas wurde ab Werk eine "89" direkt über dem Abzug eingeschlagen.

Gestern haben wir festgestellt, dass die Zwicker Ceska ein Beschusszeichen aus dem Jahr 1993 trägt, die Schwesternwaffen aus derselben Serie aber eines aus dem Jahr 1989.
Daraus ergibt sich der Schluss, dass diese Waffen, die doch angeblich benachbarte Seriennummern haben, gar nicht derselben Serie angehören können. 
Die angebliche Wiederherstellung der Seriennummer an der Zwicker Waffe und die Story vom Weg der Waffe aus der Schweiz nach Zwickau erweist sich vor diesem Hintergrund als unmöglich, als eine Lüge auf der Grundlage einer haarsträubenden Beweismittelfälschung.
 
Es ist verschiedentlich die Behauptung aufgetaucht, die Zwickauer Ceska könne ja ruhig die Schlagzahl 93 haben, während die anderen Schweizer Ceskas die 89 haben, man könne ja später noch beschossen haben...
 
Liebe Leute, wir reden hier von 10.000 Waffen dieses Typs pro Jahr, und die Nummern der gesamten 30 Schalldämpfer-Ceskas liegen im selben Zahlenblock, 0346xx, wurden also ALLE am selben Tag gebaut und am selben Tag beschlagen (die fortlaufenden Seriennummern wurden maschinell eingraviert).
 
Für die hier interessante Sonderanfertigung der Ceska 83 wurden Serienteile verbaut: Der Schlitten mit fortlaufender Nummerierung, das Griffstück mit fortlaufender Nummerierung, NUR der Lauf ist eine Sonderausführung und länger, weil er das zusätzliche Gewinde für den Schalldämpfer haben muss. 
 
Wie man also darauf kommen kann, dass die Nummer 034673 im Jahr 1989 gefertigt und beschlagen worden sein soll, die Nummer 034678 aber erst 1993, das erschließt sich nicht. Zwischen den beiden Waffen sind am Fließband nur 5 Takte Abstand (und nicht 40.000). Zwingend müssen solche Waffen dasselbe Beschusszeichen tragen.
 
 
 
Die oben abgebildete Ceska 83, die aus der fraglichen Serie mit verlängertem Lauf stammt, hat - wie deutlich zu sehen - ebenfalls eine 89 überm Abzug eingeschlagen, wie die BKA-Fernsehceska oben. Ist ja auch dieselbe Serie (im Bild wurde die Seriennummer verfremdet, um den Besitzer zu schützen).
 
 
Aus den oben dargelegten Gründen kann die Zwickauer Ceska mit dem Beschussjahr 1993  nicht aus der Schweizer Serie stammen. Sie müsste zwingend das Beschussjahr 1989 haben wie die "Nachbarnummern" auch. Sie kann nicht wie behauptet die Seriennummer 034678 haben und ein Beschusszeichen aus 1993. Das ist nicht möglich.

 Wir halten also nochmals fest:
 
Die Zwickauer Ceska trägt ein Beschusszeichen aus dem Jahr 1993, die angeblichen Schwesternwaffen aus derselben Serie aber ein Beschusszeichen aus dem Jahr 1989. Das ist aus produktionstechnischen Gründen aber nicht möglich.
 
Die Zwickauer Ceska kann also gar keine zu den Schweizer Vergleichswaffen benachbarte Seriennummer haben; sie kann nicht zur Schweizer Serie gehören.
 
Die Story von der Wiederherstellung der Seriennummer durch das BKA und vom Weg der Waffe aus der Schweiz nach Zwickau zum vorgeblichen "NSU" erweist sich als unhaltbar.
 
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Anmerkungen und Ergänzungen bitte im Forum, nicht hier.

Kommentare:

  1. BRD-Gesetze und Vorschriften interessieren hier nicht, sondern nur CSSR bzw CSR und CH-Vorschriften.

    Ich hatte geschrieben, Anmerkungen im Forum, und dabei bleibt es auch.

    Völlig zwecklos, hier Desinfo unterbringen zu wollen, und Ablenkungen vom Wesentlichen...

    Macht Euren eigenen Blog auf,,,

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  2. DANKE für die nun auch für mich verständliche Erklärung.

    Geht doch!

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  3. Klassebeitrag, leichtverständlich und übersichtlich. Weiter so.

    Da die Räuberpistole des BKA etwas mit der Schweiz zu tun hat, möchte ich einen Appell an die Leser dieses Blogs aus der Schweiz richten: Die schweizer Zeitung WELTWOCHE zeichnet sich durch einen mutigen Journalismus aus, der unerschrocken auch politisch inkorrekte Themen angepackt. Ich bitte die Schweizer, die WELTWOCHE auf den Blog des fatalist aufmerksam zu machen, es sollte die Zeitung m. E. interessieren, welche Machenschaften im Nachbarland im Gange sind, um die Aufklärung schwerer Kriminalfälle zu verhindern. Wenn man daran denkt, wie die Schweiz von deutschen Politikhanseln wegen des schweizer Bankgeheimnisses attackiert wurde oder wie die Schweizer von Gauck als zu blöde hingestellt wurden, um in Volksabstimmungen über komplexe Probleme abzustimmen zu dürfen – z. B. über Einwanderung - dann könnte mit einer Reportage über die Aufklärungen von fatalist auch eine Retourkutsche auf deutsche Arroganz herausspringen.

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