Donnerstag, 10. Juli 2014

Die "Tatwaffenbestimmungen" des BKA Teil 2

In Teil 1 ging es um "das Generelle" und um die Bestimmung -oder besser: Nichtbestimmung- einer individuellen Waffe, wenn man keine Hülsen findet: Ganz schwierige Sache.


Die Chronologie der Projektile und Hülsen für alle 9 Dönermorde sieht wie folgt aus:

Mord 1: Simsek, Nürnberg 2000: 2 Waffen, die "Kleine" konnte nie bestimmt werden.
Klare Aussage des BKA vor Gericht: Könnte die "NSU"-Bruni Pistole sein, muss aber nicht...




5 Hülsen einer Ceska 83, Fabrikat PMC.

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Mord 2: Özüdogru, Nürnberg 2001: 2 Projektile, 2 Hülsen.




Man kann davon ausgehen, dass das tatsächlich dieselbe Waffe war, denn man fand an beiden Tatorten Projektile UND Hülsen. Dasselbe Fabrikat PMC.



Wie viele Hülsen hatte man 
nach dem 2. Mord von der Ceska: 7.

Wie viele Hülsen hatte man 
nach dem 9. Mord von der Ceska: 9.

Das ist erstaunlich, finden Sie nicht?

Aus den letzten 7 Morden hatte man nur insgesamt 2 Hülsen der Ceska.
1 Hülse stand bei Turgut 2005 unter dem Kühlschrank.
1 Hülse lag bei Kubasik 2006 auf der Kasse.






sieht aus wie hindrapiert...
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Mord 3: Tasköprü in Hamburg, 2001

keine Hülse der Ceska, wieder eine 2. Waffe Kal. 6,35 mm, vielleicht die Zwickauer Bruni...

Wichtig: Das BKA brauchte 2 Monate, um dann das Projektil 7,65 mm PMC der Nürnberger Ceska zuzuordnen. 2 Monate !!! 

Dieselbe Marke PMC, dasselbe Kaliber 7,65 mm, und die brauchten 2 Monate.
Warum?

War die Zuordnung bereits eine Ablenkung für "befreundete Geheimdienste", zum Beispiel vom NATO-Partner Türkei?

Ohne Hülse kann das BKA das aber gar nicht... "Ermessensentscheidung"... 

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Mord 4: Kilic in München, 2001

keine Hülse gefunden. Wieder PMC-Munition.





Keine Zuordnung zur Ceska 83. Siehe Punkt 5.3.

Am Ende der 1. Halbserie mit 4 Morden zwischen 2000 und 2001 haben wir PMC-Munition, die nie wieder vorkommen wird, und 7 Hülsen einer Ceska 83 zugehörig, aus den Morden 1 und 2.

Das komplette BKA-Gutachten sieht nach den ersten 4 Morden wie folgt aus:












Danach passiert 30 Monate lang nichts... 2,5 Jahre lang...


5. Mord: Turgut in Rostock, 2004, "Klinge steckt noch im Hals". (verschwand auf Weisung)

Neue Munition, Fabrikat S&B statt PMC, und bei S&B wird es bleiben, bis zum Ende der Serie 2006.

Dieser KHK Scharen war ein harter Hund, er fühlte sich wohl "verarscht" ???



1 Tag nach dem Mord fragte dieser KHK Scharen beim BKA an, was das für 4 Projektile seien, und was man von dieser stehenden Hülse unterm Kühlschrank halten solle.

Er fragte nach einem Schalldämpfer, denn niemand hatte die Schüsse gehört.
(der "Hörende" meldete sich erst viel später)

Und ob denn auf den Klamotten vom Herrn Turgut Schmauchspuren wären? Oder auf denen vom Herrn Aydin, dem Chef und Auffinder? (Punkt 10) 



Das ging ziemlich schnell.

Nochmal langsam:

Gehört die 1 stehende Hülse unterm Kühlschrank (anderes Fabrikat als bei den 4 Morden zuvor) zur Nürnberger Ceska?

Was war 2004 mit dem Schalldämpfer?



Das sind wirre Aussagen des BKA: Gehört alles zur selben Waffe. Jeweils. Aber nicht zur selben Waffe insgesamt? Was soll das "jeweils"  bedeuten?

Entweder wurden die Projektile alle in derselben Waffe abgefeuert, oder eben nicht.
Was soll das, "jeweils in derselben Waffe"? 
Dass da nie mit mehreren Ceska 83 rumgeballert wurde, davon war auszugehen... oder doch?

Es muss ganz schwer sein, sich korrekt auszudrücken, oder man vermeidet das absichtlich.
"jeweils in derselben Waffe" ist Larifari. "wir wissen nix aber tun so als ob".

2. Punkt:
Aussage zu Schalldämpfer ist nicht möglich.


Aber 2 Jahre später, 2006, war alles anders:



Ein starr montierter Schalldämpfer auf der Ceska 83, starr ist entscheidend, verursacht immer an derselben Stelle an den Projektilen eine Alu-Anhaftung, weil das Geschoss dort am Schalldämpfer "andätscht".

Daher hat das BKA den Zwickauer Schalldämpfer auch niemals auf das Vorhandensein der Alu-Rippenschäden vom "Andätschen" untersucht. Gerichtsaussage !!!

Und bei 4 Auftritten vor Gericht mussten die "Waffengutachter" vom BKA auch niemals den Schalldämpfer demontieren und wieder montieren, um die Richtmarkierung (Einjustierung) zu zeigen.

Das finde ich zum Schiessen komisch, wie so etwas in einem Rechtsstaat gehen soll.
Aber es geht in der BRD vor einem Staatsschutz-Senat, der den Staat und dessen dunklen Geheimnisse zu schützen weiss, und die "Verteidigung" spielt mit...


Weiter mit den Morden.


Beim 6. Mord Yasar in Nürnberg 2005 gab es Hülsen nur bei der POM Jäger.
Offiziell gab´s keine.

Sie wissen ja schon: Keine Hülsen, keine Zuordnung zur Individualwaffe...


Eine Woche später in München, beim Mord Boulgarides, war das BKA nach Stunden schon mit sich einig: Keine Hülsen, aber gehört zur Serie: 7. Mord.



Eine durchsichtige Plastiktüte, Leute, zur Tarnung der Waffe mit Schalldämpfer eine durchsichtige Tüte...



Man war sich sicher, das schreiben die, einfach so!
Die haben noch nicht einmal die Ceska 83 nachweisen können, so sieht das aus!

Nach 1 Tag weiss das BKA Bescheid, und alle glauben es...
Ich bin wirklich entsetzt.



Das war doch erst 2006, Menno, Ihr müsst besser aufpassen und Euch mal auf eine Variante einigen. Das Alu will der Pfoser erst nach den Morden 2006 in Dortmund und in Kassel (2 Tage Abstand) gefunden haben.


Also 2006, am 4.4. in Dortmund, da wurde Herr Kubasik erschossen, und 2 Tage danach der Herr Yozgat in Kassel, in Dortmund fand man 1 Hülse, in Kassel keine, und damit sind wir bei gesamt 2 Hülsen aus der zweiten Serie 2004-2006, und insgesamt bei 9 Hülsen, wenn man die 7 aus Mord 1 und 2 in Nürnberg mitrechnet.



Wahrscheinlich war das ne Ceska 83 in Dortmund.
Also wir wissen es zwar nicht, aber wahrscheinlich... das gilt für die Hülse.

Zu den Projektilen ist zu sagen, so als BKA, die passen auch in eine Ceska 83.

Das steht da!



Wie viele Hülsen brauchte man also, um eine 9-fache Mordwaffe zu machen, aus einer 2-fachen Mordwaffe in Nürnberg 2000 und 2001?

Man brauchte dazu 2 Hülsen und das BKA, KT 21, die Herren Pfoser und Nennstiel. 
Diese Leute holt man dann auch noch vor das Gericht, als Gutachter.
Dann passt es. Immer.

Welcome in Banana Republic.



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Ende Teil 2.

Weitere Infos: Viel Lektüre... einmal 7 Teile, einmal 6 Teile und Bonus ;)


Die Geschichte von der Dönerceska Teil 6: Die hingetrickste Schweizer Ceska, 2006-2010



Ermitteln verboten. Aus einer Stasi-Ceska wurde eine Schweizer Waffe gemacht? Teil 7

Kommentare:

  1. Zitat:
    Das sind wirre Aussagen des BKA: Gehört alles zur selben Waffe. Jeweils. Aber nicht zur selben Waffe insgesamt? Was soll das "jeweils" bedeuten?
    [ZITAT ENDE]

    Schau mal in die Tabelle in der Spalte "Waffe".
    Da steht "ggf. A/B".
    Also "Waffe A / Waffe B", also 2 (ZWEI) Waffen sind möglich, beide vom selben Waffensystem "Ceska 83".
    Also konnten die Munitionsteile NICHT eindeutig einer bestimmten Waffe zugeordnet werden.

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  2. Ja, das könnte sein. "Jeweils" ne andere Waffe.

    Das wäre aber gar nicht gut im Sinne der "one and only" Ceska.

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  3. Danke für deinen Blog. Sehr gute Arbeit!

    An dem "jeweils" würde ich mich nicht so aufhängen. Das Bindeglied zwischen Geschoss und Hülse ist spurentechnisch die Waffe. Daher steht in der Tabelle A bzw. A/B oder - wie bei Mord 1 - C bzw. C/D.
    Sprich: Findet man 1 Hülse 7.65 mm und 1 Projektil 7.65 mm, wurden max. 2 verschiedene Waffen verwendet, der logische Schluss liegt jedoch nahe, es wurde mit der selben Waffe verschossen. Wenn auch nicht zweifelsfrei.

    Hebt natürlich nicht deinen Einwand auf, dass man die CZ83 an sich nur "wahrscheinlich" identifiziert hat. Daher steht das auch in kursiver Schrift in den Gutachten: "vermutlich" PMC-Munition bzw. "wahrscheinlich" Ceska 83.

    Interessant ist auch die Identifikation der Alu-Spuren: nach Farbe! Jede Wette, dass der vorhandene Abrieb nicht reichte, um eine genaue Materialuntersuchung vorzunehmen. Das ging dann wohl so: Vermutlich CZ83, Anfrage Hersteller, Hersteller sagt Alu-Schalldämpfer, ergo Alu-Spur.

    Btw: 92dB mit Dämpfer und Tüte, aussen gemessen. Jemand eine Ahnung wie laut das ist?

    Grüße

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  4. Ich hab keine Ahnung wie laut 92 dB sind, aber das ist ziemlich laut. 130 dB ist wohl ein Fighterjet im Tiefflug...

    Man muss sich klarmachen, dass die Zwickauer Dönerceska eine politische Sache ist, keine forensische...

    Ebenso wie vermutlich die Nichtaufklärung der Mordserie durch die BAO Bosporus eine politische Entscheidung war, keine kriminalistische...

    Es kann sogar sein, dass die Konstruktion der Dönermordserie an sich eine politische Entscheidung war, um Tätigkeiten "befreundeter Staaten" in der BRD zu kaschieren.

    Dafür sprechen letztlich die schwach begründbaren, aber entschlossen vorgetragenen Zuordnungen der einzelnen Morde zu einer angeblich immer gleichen Waffe...

    Aber ich bin sicher, das Ganze wird irgendwann aufgearbeitet werden.

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  5. Zitat:
    »Also 2006, am 4.4. in Dortmund, da wurde Herr Kubasik erschossen, und 2 Tage danach der Herr Yozgat in Kassel, in Dortmund fand man 1 Hülse, in Kassel keine, und damit sind wir bei gesamt 2 Hülsen aus der zweiten Serie 2004-2006, und insgesamt bei 9 Hülsen, wenn man die 7 aus Mord 1 und 2 in Nürnberg mitrechnet

    Stimmt aber nicht mit den Angaben in den Akten überein:

    Nürnberg 9.9.2000 - Simsek:
    »Sammlungsnr. 44321
    Munitionsteile mit dieser Nummer: 5 Hülsen, 4 Geschosse
    Insgesamt gesicherte Tatmunition: 6 Hülsen, 6 Geschosse«


    Stimmt auch mit den Akten der Kripo Nürnberg im Fall Simsek überein:

    »Es werden insgesamt sechs Patronenhülsen und sechs Projektile unterschiedlichen Kalibers aufgefunden«
    Eine davon wohl 6,35 mm. (Siehe Blogeintrag zu Simsek)

    Nürnberg 13.6.2001 Özüdogru:
    2 Hülsen, 2 Geschosse

    Hamburg 27.6.2001 Tasköprü:
    »Sammlungsnr. 45038
    Munitionsteile mit dieser Nummer: 1 Geschoß
    Insgesamt gesicherte Tatmunition: 2 Hülsen, 3 Geschosse«


    Weshalb wurden die zwei Hülsen und auch zwei der Geschosse, die nach dieser Aufstellung in Hamburg sichergestellt wurden, nicht ans BKA weitergeleitet?

    ___________________________________


    Zitat Kommentar 1 von Anonym:
    »Also "Waffe A / Waffe B", also 2 (ZWEI) Waffen sind möglich, beide vom selben Waffensystem "Ceska 83".
    Also konnten die Munitionsteile NICHT eindeutig einer bestimmten Waffe zugeordnet werden.«


    Kann nicht sein, dazu hätte man die Tatwaffe damals schon (2004) haben müssen.

    Die hatte man aber angeblich erst seit dem 9.11.2011.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das zitierte Gutachten aber vom 16.03.2004.

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  6. Die Hülsen 6,35 mm führten zu keiner Waffe. Die sind unwichtig.

    Beim Simsek gab es wohl 1 Hülse 6,35, beim Tasköprü 2 oder so.

    Spielt aber keine Rolle, da die Bruni des NSU diesen Hülsen nicht zugeordnet werden konnte: Kann sein, kann auch nicht sein...

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