Montag, 23. Juni 2014

Ermitteln verboten. Aus einer Stasi-Ceska wurde eine Schweizer Waffe gemacht? Teil 4

Teil 3 dieser kleinen Serie endete mit der Frage, wie man den Verkäufer Andreas Schultz aus dem Madley in Jena dazu bekam, eine Osteuropäische Dienstwaffe im Jahr 1999/2000 an den Angeklagten Carsten Schultze verkauft zu haben. 

Und wie daraus -auf einmal- Ende Februar 2012 eine Ceska mit Schalldämpfer wurde...

Um das zu verstehen, ein kurzer Blick zurück auf die Zeitleiste:

am 25.01.2012 Razzia bei Schultz, Liebau, Starke und Werner.
am 01.02.2012 Verhaftung von Carsten Schultze in Düsseldorf.


Was sagte Schultz (die anderen 3 sind unwichtig bei der Ceska-Stafette von der Schweiz bis zu den Uwes) denn nun beim Verhör nach der Razzia aus?

Da haben wir 2 Quellen: NSU-Watch und Querläufer.

Was schreibt NSU-Watch dazu?


Protokoll 88. Verhandlungstag – 25. Februar 2014

Nach der Mittagspause geht es um 13:04 Uhr mit dem Zeugen Be. vom Thüringer LKAweiter. Be. berichtet, Anlass für die Vernehmung von Andreas Sch. am 25. Januar 2012 sei der Durchsuchungsbeschluss des BGH gewesen, der am selben Morgen vollstreckt worden sei. Sch. habe sich bereit erklärt, zur KPI Jena mitzukommen zur Vernehmung. Diese habe im Vernehmungszimmer des Staatsschutzes stattgefunden. Außer ihm selbst, so Be. seien noch sein Kollege Schu. vom BKA und bis 15 Uhr Staatsanwalt Weingarten dabei gewesen. Sch. sei bereit gewesen, Angaben zu machen. Die Sache sei Sch. erklärt worden aufgrund des Beschlusses, dass eine Aussage im Raum steht, dass Sch. Wohlleben eine Waffe besorgt hätte. Sch. habe angegeben, dass das nicht stimmt. Allerdings habe Wohlleben ihn mit einem Begleiter in seinem Szeneladen aufgesucht und nach einer scharfen Waffe gefragt. Sch. habe dann zu Wohlleben gesagt, dass er jemanden nennen könne, der eine scharfe Waffe besorgen kann, die Jugoslawen in der Spielothek. Es habe dann keine weiteren Ansprechversuche von Wohlleben und dessen Begleiter gegeben. Während der Vernehmung habe Weingarten Sch. ermahnt, bei der Wahrheit zu bleiben, es sei doch besser jetzt die Wahrheit zu sagen, als wenn später jemand behaupten würde, er, Sch., hätte die Waffe besorgt, so Be. Daraufhin habe Sch. gesagt: “Ich hab dem die Scheißknarre besorgt.” Sch. habe dann angefangen zu erzählen und gesagt: “Jetzt ist die Katze eh aus dem Sack.” Es sei richtig, habe Sch. gesagt, dass Wohlleben im Laden war mit einem Begleiter, man kenne sich aus der Szene. Im Verlauf der Vernehmung habe Sch. als Begleiter Carsten S. identifiziert. Der sei dann ein- oder zweimal im Laden gewesen und habe nach der Waffe gefragt, und irgendwann, 1999 oder 2000, habe er dem Begleiter die Waffe übergeben. Sch. habe weiter ausgesagt, es könne was Osteuropäisches gewesen sein, es könnten tschechische, evtl. kyrillische Buchstaben darauf gewesen sein, weiter sei eine Schachtel mit ca. 50 Patronen dabei gewesen, die Waffe sei in ein Handtuch eingewickelt gewesen und er habe sie in einem PKW vor oder neben dem Laden übergeben, 2.500 DM eingesteckt und damit sei die Sache für ihn erledigt gewesen. Götzl fragt zum Verhalten Sch.s. Be. antwortet, dass Sch. die Sache sichtlich unangenehm gewesen sei, er sich aber kooperativ verhalten habe. Das habe Sch. aber nicht davon abgehalten, anfangs zu lügen. Sch. sei nie laut geworden oder habe Ablehnung gezeigt.
http://www.nsu-watch.info/2014/03/protokoll-88-verhandlungstag-25-februar-2014/

Andreas Schulz hat also am 25.1.2012 (unmittelbar nach der Hausdurchsuchung) zugegeben, dem Begleiter von Wohlleben 1999 oder 2000 eine Waffe verkauft zu haben, mit 50 Schuss Munition, für 2500 DM. Begleiter = Carsten Schultze.

Jetzt Querläufer:


88.PROZESSTAG KOK STEFFEN B. LKA THÜRINGEN ZUM VERHÖR ANDREAS S. – ÜBERGABE DER CESKA MIT MUNITION.

Es ist der Zeuge KOK Steffen B. 44 Jahre alt LKA Thüringen geladen,der den Andreas S. verhört hat.
Götzl lässt wie alle Zeugen und Sachverständige von sich aus erzählen bis er dann später fragen stellt.
KOK. Steffen B:
Am 25.1.2012 gab es eine Hausdurchsuchung bei Andreas S. wo zugegen die Beamten B. und H. waren und der Oberstaatsanwalt Weingarten.
Der Grund war, das es eine Aussage gab (Holger G.), er ( Andreas S.) hätte Ralf Wohlleben eine Waffe übergeben.Dies verneinte zuerst Andreas S. er könne aus einer Spielothek von einem Jugoslawen eine scharfe Waffe besorgen.
Nach einer zweiten Fragerunde, wurde Herr S. lauter von seiner Stimme und meinte„ja ich habe die scheiß Waffe besorgt“.
Es war Carsten S. sei dabei gewesen ein bis zwei Mal im Jahr 1999 oder 2000, die Waffe hatte tschechischen oder kyrillischen Buchstaben gehabt und für 2000 DM oder 2500 DM übergeben hatte.
Was denn nun?
Hat Wohlleben samt Begleiter Schultze nun "nach Waffen gefragt", 1999 oder 2000, oder hat Andreas Schultz dem Carsten Schultze eine osteuropäische Waffe verkauft?

Und wenn es denn so gewesen wäre, dass Andreas Schulz (der die Aussage verweigerte, wir hören ja hier nur Polizisten erzählen, was Schultz angeblich gesagt haben soll) im Jahr 1999/2000 eine Osteuropäische Dienstwaffe verkauft habe, mit tschechischen oder kyrillischen Buchstaben drauf, welche denn bitte? 

Wie hiess das Kind? Ceska sagte Schultz nicht. Ceska sagte auch Carsten Schultze niemals.

Weder bei NSU-Watch noch bei Querläufer findet sich das Wort Schalldämpfer.
Hätte man jetzt aber erwartet, dass irgendwer Schalldämpfer erwähnt, oder nicht?

______________

Wie muss man sich eine Waffe kleinen Kalibers mit 
tschechischen oder kyrillischen Buchstaben
vorstellen?


Quelle: heise.de
Da stehen weder tschechische noch kyrillische Buchstaben drauf. "Made in Czech Republic" und "Browning" liest sich eher englisch ;) Russisch hatte der doch in der Schule...

___________

Es wird aber noch viel schöner, NSU Watch:


Dann werden Lichtbilder von Waffen in Augenschein genommen. Götzl sagt, im Protokoll stehe, Sch. sei sich nicht mehr sicher, aber die Waffen 3 (Ceska 83), 4 (Ceska 70) und 6 (Walther 7,65 Browning) könnten es gewesen sein, die Waffe sei sehr klein gewesen. Sch. habe angegeben, den Preis von 2.500 DM mit dem Abholer bei den letzten beiden Treffen besprochen zu haben.
Man hatte also die Zwickauer Ceska 83 damals schon im Sinn, am 25.1.2012.

Querläufer, Widerspruch?


Andreas S. bekam die Waffe von einem Jugoslawen „Boban“ den er kennenlernte. Die Waffe wurde dann in einem PKW übergeben und das Geld übergeben. Konkret konnte er zu der Waffe sagen, das sie Osteuropäisch gewesen sei, kleiner als 9 mm tschechischer oder kyrillischer Schrift.
Vom Abholer hat er 2500 DM erhalten, er hätte 500 DM an der Waffe verdient.
Okay, und welche Waffen hätten das sein können?


Auf den Lichtbildern erkannte er die Waffen die Nr.3 Pistole Ceska 83 7,65 mm Nr.4 Ceska 70 7,65 mm und Nr.6 Pistole WALTHER PP 7.65 mm.
Also ist das doppelt belegt: Die Zwickauer Ceska 83 war am 25.1.2012 bereits im Geschäft. 1999/2000 an Carsten Schultze (Begleiter von Wohlleben) verkauft.

______________

Und 4 Tage später holt die GSG 9 den Carsten Schultze ab.





Herr Generalbundesanwalt, bitte, Sie haben das Wort:


http://www.generalbundesanwalt.de/de/showpress.php?themenid=14&newsid=433
Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, gemeinsam mit dem gesondert verfolgten Ralf W. (vgl. Pressemitteilung Nr. 41 vom 29. November 2011) dem „NSU“ 2001 oder 2002 eine Schusswaffe nebst Munition verschafft zu haben. Er soll Waffe und Munition in Jena gekauft und anschließend an Ralf W. weitergegeben haben, der einen Kurier mit dem Transport zu den „NSU“-Mitgliedern nach Zwickau betraut haben soll.
Tja Leute, tut mir leid: Astreine Falschaussage des Polizisten im Gerichtssaal.

KOK Bernhard vom thüringischen Landeskriminalamt(Nebenklage-Blog)

HÄTTE Andreas Schultz "1999/2000" gesagt, dann hätte im Haftbefehl auch "1999/2000" drin gestanden, und nicht "2001/2002".

Was macht man nun mit diesem Wissen, was fängt man damit an?
Strafanzeigen sind wirkungslos, leider.
Dazu bräuchte man eine unabhängige Justiz, nicht weisungsgebundene Staatsanwälte, aber die gibt es leider, leider nicht in der BRD.

OSTA Weingarten sass übrigens mit im Saal, auf der Anklägerbank, und er hat nicht eingegriffen. Das ist Strafvereitelung im Amt. Weingarten war bei dem Verhör am 25.1.2012 anwesend.


Sie sehen, liebe Leser, dieser Blog ist aus Notwehr und aus Trotz geboren.
Die "Berichterstatter" wollen einfach nicht selber denken...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen